Beim Hypogonadismus produzieren die menschlichen Keimdrüsen (Hoden bzw. Eierstöcke, auch Gonaden genannt) zu wenig oder gar keine Sexualhormone. Hypogonadismus kann ebenfalls mit einer verminderten Konzentration anderer in den Keimdrüsen produzierter Hormone einhergehen, wie beispielsweise Dehydroepiandrosteron (DHEA), Progesteron und Anti-Müller-Hormon (AMH).
Hypogonadismus kann primär (Fehlfunktion der Hoden oder Eierstöcke) oder sekundär (hypogonadotroper Hypogonadismus) bedingt sein. Letzterer wird durch einen Mangel an Hormonen verursacht, die von der Hypophyse oder dem Hypothalamus freigesetzt werden und die Gonaden stimulieren.
Unter dem männlichen Hypogonadismus versteht man eine Funktionsstörung der Hoden, bei der die Produktion von Androgenen und/oder Spermien beeinträchtigt ist. Mit zunehmendem Alter, ab etwa dem 30. Lebensjahr, sinkt der Testosteronspiegel naturgemäß. Schätzungsweise 20 % der Männer über 60 und 30 % bis 40 % der Männer über 80 Jahre weisen einen Testosteronspiegel unter dem Normalwert auf. Eine Abnahme der Testosteronkonzentration kann auch als Folge einer akuten oder chronischen Erkrankung, Depression oder auszehrenden Erkrankung auftreten. Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse können ebenfalls zu Hypogonadismus führen. Neben dem Alter sind eine ungesunde Ernährung, Übergewicht und Typ-2-Diabetes Risikofaktoren für die Entwicklung eines Hypogonadismus.
Die klinischen Merkmale des weiblichen Hypogonadismus unterscheiden sich je nach Alter der Patientin bei Manifestation. Vor der Pubertät treten selten Symptome auf, wobei das Ausbleiben der Pubertät und die Amenorrhoe (Ausbleiben der Menarche) als Hauptmerkmale gelten. Nach der Pubertät zählen sekundäre Amenorrhoe, Perimenopause und Infertilität zur Symptomatik. Hypogonadismus wird häufig durch den Beginn der Menopause verursacht, die im Durchschnitt im Alter von etwa 50 Jahren eintritt.
Hypogonadismus kann angeboren oder erworben sein. Die häufigsten genetischen Störungen, die zur primären Form führen, sind bei Frauen das Turner-Syndrom, eine seltene Anomalie des X-Chromosoms, und bei Männern das Klinefelter-Syndrom, bei dem ein zusätzliches X-Chromosom vorhanden ist. Das durch eine genetische Störung hervorgerufene Kallmann-Syndrom, welches durch eine verzögerte oder ausbleibende Pubertät und einen beeinträchtigten Geruchssinn gekennzeichnet ist, führt zu einem sekundären Hypogonadismus.
Zur Diagnose des Hypogonadismus werden serologische Untersuchungen des Östrogenspiegels (bei Frauen) und Testosteronspiegels (bei Männern) durchgeführt. Zusätzlich werden die Konzentrationen des luteinisierenden Hormons (LH) und des follikelstimulierenden Hormons (FSH) bestimmt, da LH und FSH Hypophysenhormone sind, die von den Keimdrüsen ausgeschüttet werden. Prolaktin, ein Hypophysenhormon, wird ebenfalls häufig gemessen.
Bei Männern weist ein anhaltend niedriger morgendlicher Testosteronspiegel bei gleichzeitig erhöhten LH-Werten auf einen primären Hypogonadismus hin, während ein niedriger Testosteronspiegel bei niedrigen oder normalen LH-Werten auf einen sekundären Hypogonadismus hindeutet.
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